Zypern könnte Schritt auf die Einheit der Christen hin sein

21 10 2009

Orthodox-katholischer Dialog: „Wir sind ja mit den orthodoxen Christen in vielen Fragen des Glaubens einig“, sagt Ökumene-Experte Oeldemann. Die „Hauptfrage, die derzeit noch als Trennungsgrund gilt“, ist das Papst-Amt.

Paphos (kath.net/RV) Katholische und orthodoxe Theologen könnten in diesen Tagen auf Zypern einen wichtigen Schritt auf die Einheit der Christen hin tun. Das glaubt der deutsche Ökumene-Experte Johannes Oeldemann vom Johann-Adam-Möhler-Institut in Paderborn. Im Gespräch mit dem Kölner Domradio meinte Oeldemann, die Frage des Papst-Amtes, über die in Zypern derzeit debattiert wird, sei die „Hauptfrage, die derzeit noch als Trennungsgrund zwischen beiden Kirchen gilt“.

Vom 16. bis 23. Oktober tagt die katholisch-orthodoxe Dialogkommission in Paphos auf Zypern. Das Treffen setzt die Begegnung in Ravenna 2007 fort, kath.net hat berichtet.

„Wir sind uns ja mit den orthodoxen Christen in vielen Fragen des Glaubens einig, beispielsweise in der Frage der Sakramente oder Eucharistie, aber auch der Strukturen des kirchlichen Amtes; der päpstliche Primat ist aber der Punkt, der von den Orthodoxen zumindest in der Form, wie er sich im zweiten Jahrtausend entwickelt hat, nicht akzeptiert wird – insbesondere die Papst-Dogmen des 19. Jahrhunderts, wo die Unfehlbarkeit und der Jurisdiktions-Primat des Papstes definiert wurden.

Die internationale Dialogkommission will aus diesem Grund bei ihrer Sitzung in Zypern auf das erste Jahrtausend schauen, um gemeinsam zu erheben: Wie sind die Grundlagen aus der Zeit, in der Ost- und Westkirche noch miteinander in Kirchengemeinschaft standen, und was können wir daraus für die heutige Zeit, das dritte Jahrtausend, lernen?“

Natürlich werde sich nicht alles „eins zu eins auf das dritte Jahrtausend übertragen lassen“ – dennoch könne aber „die Form, in der man damals Kirchengemeinschaft gebildet hat“, doch „ein Muster bis in die heutige Zeit“ sein.

Oeldemann hält es für einen Erfolg, dass diesmal auch die russisch-orthodoxe Kirche – die aus der letzten Gesprächsrunde in Ravenna ausgezogen war – mit am Tisch sitzt: „Aus katholischer Sicht ein sehr wichtiger Fortschritt, weil die russisch-orthodoxe Kirche zahlenmäßig die weitaus größte orthodoxe Gemeinschaft ist, und diese im Dialog außen vor zu lassen, wäre alles andere als sinnvoll und weiterführend.“

Die gemischte Kommission setzt sich aus je 30 Mitgliedern aus der katholischen und den orthodoxen Kirchen zusammen. Den Vorsitz und die Moderation haben Kardinal Walter Kasper, Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen und der Metropolit von Pergamon Ioannis Zizioulas (ökumenisches Patriarchat von Konstantinopel).

Die Gemischte Internationale Kommission für den theologischen Dialog zwischen der katholischen Kirche und den orthodoxen Kirchen wurde 1979 von Papst Johannes Paul II. und dem Ökumenischen Patriarchen Dimitrios I. eingesetzt. Im Jahr 2000 löste sie sich nach Differenzen auf, 2006 begann die Arbeit von neuem. In Ravenna 2007 verließen die russisch-orthodoxen Mitglieder die Kommission, weil sich die estnisch-orthodoxe Kirche als autonom erklärt hatte und dies von Konstantinopel anerkannt wurde. Dieser Streit wurde beim Antrittsbesuch des Moskauer Patriarchen Kyrill beim Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. im Phanar in Istanbul beigelegt, wie die „Presse“ berichtet.

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