Dem Islam den Rücken kehren – Wenn Muslime Christen werden

9 10 2010

Das Recht auf Religionsfreiheit ist für uns Westeuropäer selbstverständlich. Es besagt, dass man aus freien Stücken in eine Glaubensgemeinschaft eintreten und auch wieder austreten kann. Doch diese Religionsfreiheit gibt es im Islam nicht: „Wenn Christen zum Islam wechseln, passiert nichts. Wenn ich zum Christentum wechsle, bin ich ein Apostat und darf nach dem islamischen Gesetz umgebracht werden“, sagt Bassam Tibi, Professor für Internationale Beziehungen und moderater Muslim. Und unzählige Fälle, mitten in Europa, geben ihm Recht. Wie viele Konvertiten in Europa leben, ist nicht bekannt. Denn aus Angst vor dem Tod halten sie ihre Konversion meist geheim. Sabatina James, eine junge Österreicherin, ist eine von ihnen.

„Manchmal, wenn ich allein auf der Strasse gehe, bekomme ich Angst. Waren da nicht Schritte? Verfolgt mich jemand? Ich drehe mich abrupt um und suche mit den Augen die Strasse nach möglichen Verfolgern ab, ehe ich so schnell wie möglich nach Hause laufe, ohne mich noch einmal umzudrehen.“ Das Leben von Sabatina James ist voll von Angst. Mitten in der Nacht klingelt das Telefon und dann heißt es „Wir finden dich!“ Sabatina ist 25 Jahre alt und sagt: „Ich bin österreichische Staatsbürgerin – und ich habe große Angst, meinen nächsten Geburtstag nicht mehr zu erleben.“ Ihre Geschichte ist für Europäer schwer zu begreifen. Sie hat nichts getan, was in Europa verboten wäre. Und doch wird sie verfolgt und mit dem Tode bedroht – weil sie den Islam hinterfragte und zum Christentum konvertierte. Ihre eigene Familie hat deshalb ein Todesurteil über sie ausgesprochen.

„Unreine“ Europäer

Sabatina James ist in Pakistan geboren und wächst in einer sehr religiösen Familie auf. Mit zehn Jahren wandert sie mit ihrer Familie nach Österreich aus. Im Gegensatz zu ihren Eltern begreift sie schnell, wie man dort lebt. Sie lernt deutsch, interessiert sich wie alle Mädchen in ihrem Alter für Schminke, Kleidung und Musik. Ihre Eltern hingegen vermeiden den Kontakt zu Österreichern, vor allem ihre Mutter weigert sich, die Sprache „dieser Leute“ zu lernen, die sie als „Unreine“ ansieht. Sind Österreicher bei ihnen zu Besuch, wäscht sie das Geschirr hinterher drei Mal und spricht dazu die bishmillah, ein islamisches Gebet. Auch wenn Sabatinas Freundinnen zu Besuch kommen, macht sie das. Sabatina gerät in einen Konflikt, da sie ihre österreichischen Freundinnen keineswegs als unrein empfindet. Also bringt sie sie nicht mehr mit nach Hause.

In der Schule lernt Sabatina schnell und gut. Zu Hause wagt sie nicht, die Regeln ihrer Eltern in Frage zu stellen. Doch immer mehr gerät sie in einen Zwiespalt: „Einerseits sah ich meine Familie mit ihren Wertvorstellungen und andererseits das Leben, das sich um mich herum abspielte.“ Sie erkennt. „Ich bin gefangen zwischen zwei Kulturen, die nicht kompatibel sind.“ Und beginnt ein Doppelleben. Um westliche Kleidung tragen zu können, Theater in der Schule zu spielen und mit Freundinnen zusammen sein zu können, erfindet sie Ausreden und versucht, mehr Zeit außerhalb des Hauses verbringen zu können. Ihre Eltern bemerken den Wandel und werden strenger. Ihre Mutter warnt sie unaufhörlich vor den Österreichern, „die ihre Frauen und Kinder verprügelten und kein gottgefälliges Leben führen.“ Als ihre Mutter ihr Tagebuch findet, verprügelt sie Sabatina heftig: „Wieder und wieder zerrte sie mich an den Haaren, schlug mit der Faust in mein Gesicht und trat mich mit den Füssen.“ Von da an bekommt sie ständig Prügel – wegen zu enger Kleidung, etwas Schminke oder anderer Kleinigkeiten. Als sie erfährt, dass ihre Eltern sie in Pakistan mit ihrem Cousin Salman verheiraten wollen, sucht sie schließlich Hilfe bei ihrem Lehrer. Dieser gibt ihr die Adresse einer Zufluchtsstätte. Sie erzählt den Sozialarbeitern alles, woraufhin diese mit den Eltern ein Gespräch führen. Doch die Eltern streiten alles ab, auch die vereinbarte Heirat. „Die Eltern erscheinen durchaus kooperativ. Andererseits werden ihre religiös-kulturellen Vorstellungen doch sehr klar“, notiert der Sozialarbeiter in seinem Protokoll. Für Sabatina ändert sich nichts. Als sie von ihrer Mutter wieder einmal blutig geschlagen wird, flieht sie in eine Notschlafstelle. Doch nach einer Woche tauchen ihre Eltern auf und die Sozialarbeiter raten Sabatina, mit ihren Eltern nach Hause zu gehen. „Sie wirken doch sehr nett“, sagt einer der Mitarbeiter.

Wieder zu Hause fliegen ihre Eltern mit ihr nach Pakistan. Als sie sich dort weigert, ihren Cousin zu heiraten, wird sie von ihren Eltern in eine Koranschule geschickt. „Ich hatte schon eine Menge davon gehört: Dort wurde an sechs Tagen pro Woche von früh bis spät im Koran gelesen, man war mit hunderten anderen Mädchen zusammengepfercht und hatte keinerlei Freiraum.“ Der Aufenthalt dort bringt sie körperlich und geistig an den Rand ihrer Kräfte: „Es war eine Gehirnwäsche, die langsam zu greifen begann.“ Kurz vor einem Zusammenbruch wird sie von ihrer in Pakistan lebenden Verwandtschaft aufgenommen. Doch da beginnt ihr Cousin, sie zu missbrauchen. Sie begreift nach und nach: „Eine Frau ist in Pakistan absolut nichts wert.“

Islam grenzt Menschen aus

Um wieder nach Österreich zurückkehren zu können, stimmt sie schließlich der Heirat mit ihrem Cousin zu. Die Verlobung wird vollzogen und sie darf zurück nach Österreich. Dort besucht sie eine Abendschule, wo sie einen ehemaligen Schulkameraden trifft: „Ich habe Jesus kennen gelernt und bin Christ geworden.“, erzählt er ihr. Beeindruckt davon, wie er sich von einem „No-Future-Kid“ in einen netten, hilfsbereiten und ernsten Jungen verwandelt hat, beginnt sie sich für das Christentum zu interessieren. Kurz vor Weihnachten bekommt sie von ihm eine Bibel geschenkt. „Fast jeden Abend las ich darin – ein nicht ganz ungefährliches Unterfangen angesichts dessen, was meine Eltern mit mir anstellen würden, wenn sie mich dabei erwischten.“ Und: „Je mehr ich mich mit der Bibel beschäftigte, umso absurder erschien mir der Koran. Im Koran kreiste alles um Kampf und um die Macht des Glaubens, ganz offen wurde die Unterdrückung der Frau legitimiert, und selbst die Gewalt, das Töten Andersgläubiger, wurde nicht verurteilt.“ Sie ist überzeugt: „Der Islam grenzt die Menschen aus, Jesus hingegen kümmert sich um sie.“

„Irgendwann kehrte ich Allah und seinem Propheten Mohammed den Rücken“. Sie konvertiert und nimmt ihr Leben selbst in die Hand. Ihrem Zwangsverlobten besorgt sie nicht das von der Familie geforderte Visum für Österreich, woraufhin ihre Familie sie aus dem Haus schmeißt und sie wieder in die Notschlafstelle geht. Als ihre Familie von ihrem „Glaubensabfall“ erfährt, stellt sie Sabatina ein zweiwöchiges Ultimatum: „Komm zurück. Du weißt, was auf den Glaubenswechsel in Pakistan steht“, sagt ihr Vater und meint die Todesstrafe. Denn in Pakistan gilt die Scharia, das islamische Rechtssystem. Und danach wird eine islamische Frau, die zum Christentum wechselt, zu Tode gesteinigt. Sabatina zeigt ihren Vater daraufhin an. Zur Verurteilung kommt es jedoch nicht, weil sie sich nicht überwinden kann, gegen ihn auszusagen.

Inzwischen lebt Sabatina versteckt in Deutschland, unter ständigem Polizeischutz. In ihrer Abwesenheit hat ihre Familie sie mit ihrem Cousin verheiratet, indem sie ihre Unterschrift fälschte. Die Urkunde wurde von den österreichischen Behörden anerkannt und seitdem gilt Sabatina als verheiratet. Trotz der damit verbundenen Verfolgung macht Sabatina James ihre Geschichte publik, um Mädchen in ähnlicher Lage Mut zu machen. Denn Wegsehen hilft nicht, wenn die Religionsfreiheit in Gefahr ist.

Sabatina James: Sterben sollst du für dein Glück

Erschienen und zu beziehen bei: Knaur Taschenbuch Verlag, 235 S., 7.95 €/14.90 Fr.

Quelle: http://www.zunkuft.ch

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